Simone Kesting ist Residenzkünstlerin 2026
Wie kann etwas Gestalt annehmen, das nicht greifbar ist? Simone Kesting untersucht in ihrer Arbeit die Spannungsverhältnisse zwischen immateriellen Zuständen und körperlicher Präsenz. In ihren Zeichnungen entstehen fragile Konstrukte aus erlebten Situationen, inneren Zuständen und Kommunikationsprozessen, die sich schließlich in den Raum ausdehnen.
Die Arbeiten der Ausstellung „Four Eyes, One Moon“ haben ihren Ursprung in den ersten Monaten nach der Geburt ihrer Tochter – in jenen späten Abendstunden, in denen die Künstlerin zu zeichnen begann, überwältigt von anhaltendem Schlafmangel. Aus Erinnerungen, Beobachtungen und inneren Bildern formen sich bruchstückhafte Narrationen, verortet in einem ambivalenten, traumähnlichen Zwischenraum, der seiner eigenen, stillen Logik folgt. Die Figuren bewegen sich zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, Nähe und Distanz. Sie gleiten von einem Aggregatzustand in den nächsten, materialisieren sich und beginnen zugleich, ihre Körper wieder aufzulösen. Auf keramischen Untergründen werden diese flüchtigen Zustände festgehalten, ins Material gegossen, eingeschrieben und versiegelt. So treten die Werke den Betrachtenden als materialisierte Zwischenmomente entgegen – sie offenbaren sich und entziehen sich zugleich, balancieren zwischen Sichtbarkeit und Verborgenheit, Fragilität und Widerstand.
Simone Kesting studierte Illustration, Zeichnung und Fotografie an der HAW Hamburg sowie an der AdBA in Bologna. Sie arbeitet als freie Zeichnerin und Bildhauerin, ist zudem als Kostümbildnerin an Theaterprojekten beteiligt und gibt regelmäßig Workshops. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, u.a. in Deutschland, Dänemark, den USA und Japan. Nach ihrem Abschluss wurde sie mit mehreren Stipendien ausgezeichnet, darunter Förderungen der Claussen-Simon-Stiftung, der Deutschen Bank und der Stiftung Kunstfonds.
Simone Kesting war Stipendiatin unseres Stipendienprogramms stART.up im Jahrgang 2022/23.