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Ausstellung: Paradise/ Parasite
Ausstellung mit stART.up-Stipendiatin Alisa Tsybina

So wie in den Arbeiten dieser Ausstellung entfaltet sich auch bei Serres’ „Parasit“ eine doppelte Bewegung. Er dringt in bestehende Strukturen ein, verwandelt sie von innen heraus und öffnet dadurch Raum für etwas Neues. „Der Parasit“, schreibt Michel Serres, „lebt niemals allein.“ Er sucht sich einen Wirt, nistet sich in dessen Strukturen ein und ernährt sich von dem, was bereits vorhanden ist. Dabei verändert er den Wirt. Er stört, unterbricht und lenkt den Fluss (der Bilder) um. Aus solcher Störung kann Zerstörung entstehen – oder eine neue Ordnung.
Das Konzept des Parasiten reicht weit über die biologische Natur hinaus. Es beschreibt Macht und Kultur. Eroberungen, die nicht durch Gewalt, sondern durch Aneignung erfolgen. Ideen, die sich in bestehende Systeme einschreiben und sie von innen heraus verwandeln.Technologien, die auf bestehenden Infrastrukturen wachsen, bis es kein Zurück zum Alten mehr gibt. Unternehmer wie Elon Musk, Peter Thiel und Marc Andreessen treten in politische Netzwerke ein. Sie verbinden technologische Visionen mit ideologischen Programmen. Sie versprechen Effizienz und Fortschritt, während sie den Staat zurückdrängen und private Strukturen ausweiten. Märkte und Algorithmen ersetzen Regulierung. Technologie wird zum leitenden Prinzip. Was wäre in dieser Logik das Paradies? Kein ursprünglicher Garten, sondern ein Zustand nach der Störung. Eine neue Ordnung, errichtet auf den Überresten der alten. Ein System, das von seinem Wirt lebt und ihn doch in eine andere Form zwingt. Für jene, die es gestalten, wird es zum Ort größter Freiheit. Für den Wirt kann es ein Raum des Verlustes sein. Das Paradies des Parasiten ist stets ambivalent. Es lebt von dem, was es verwandelt, und es verwandelt, wovon es lebt. Es kann erblühen oder zusammenbrechen. Die Grenze zwischen Utopie und Dystopie verläuft mitten hindurch – und heute zeigt sie sich auf der glänzenden Oberfläche des Silicon Valley.
Preview: 30.08.2025, 19 Uhr
Open House Fleetinsel: 04.09.2025, 18 Uhr
Special: Unedition Release by Yannick Riemer
Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 15:00-18:00 Uhr
Samstag 13:00-15:00 Uhr, nach Vereinbarung