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#Wissenschaft #Wissenschaftskommunikation

Vom Klimabewusstsein zur Wahlurne: Was Klimaangst mit politischen Entscheidungen zu tun hat

Lara Katharina Lösch, Alumna Master Plus

Wenn über die Folgen des Klimawandels gesprochen wird, stehen meist schmelzende Gletscher, Hitzewellen oder Extremwetterereignisse im Mittelpunkt. Weniger Aufmerksamkeit erhält eine andere Folge der Klimakrise: ihre Auswirkungen auf unsere Psyche. Viele Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft, fühlen sich angesichts der Klimakrise hilflos oder haben Angst vor den langfristigen Folgen. In der Forschung wird dieses Phänomen häufig als "Klimaangst" bezeichnet.
Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich untersucht, wie Klimaangst mit der Wahlabsicht von Menschen in Deutschland zusammenhängt und ob sie einen Einfluss darauf hat, wie sicher sich diese bei ihrer Wahlentscheidung sind.

Warum diese Frage?

Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur ein Umweltthema. Seine Folgen betreffen Gesundheit, Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit und Migration. Gleichzeitig hat sich die Klimapolitik zu einem wichtigen und umstrittenen Thema im politischen Wettbewerb entwickelt. Parteien unterscheiden sich deutlich darin, welche Maßnahmen sie zur Bekämpfung des Klimawandels vorschlagen und wie hoch sie dessen Priorität einstufen.

Aus der Forschung wissen wir bereits, dass Klimaangst mit stärkerem Umweltengagement (z.B. Teilnahme an Klimaprotesten) und größerer Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen zusammenhängt. Außerdem zeigen Studien, dass Menschen mit linken politischen Einstellungen häufiger von Klimaangst berichten als Menschen mit rechten politischen Einstellungen. Was bislang jedoch kaum untersucht wurde, ist die Frage, ob sich diese Zusammenhänge auch direkt in Wahlabsichten widerspiegeln. Genau hier setzte meine Arbeit an.

Was ist eigentlich Klimaangst?

Klimaangst ist keine psychische Erkrankung. Sie beschreibt vielmehr emotionale Reaktionen auf die wahrgenommenen Bedrohungen durch den Klimawandel. Dazu gehören Sorgen, Unsicherheit, Angst oder auch das Gefühl, dass die Zukunft unsicher ist.

Dabei handelt es sich keineswegs um ein Randphänomen. Gerade jüngere Menschen erleben den Klimawandel zunehmend nicht mehr als abstrakte Zukunft, sondern als reale Bedrohung ihrer eigenen Lebenswelt. Die Bilder von Waldbränden, Überschwemmungen oder Dürren machen deutlich, dass die Folgen der Erderwärmung bereits heute sichtbar sind. Vor diesem Hintergrund hat sich mir die Frage gestellt, ob solche Emotionen auch politisches Verhalten beeinflussen können.

Wie ich die Untersuchung durchgeführt habe

Für die Studie habe ich eine Online-Befragung mit insgesamt 446 Personen durchgeführt. Die Teilnehmenden beantworteten Fragen zu ihrer Klimaangst, ihrer geplanten Wahlentscheidung sowie zu verschiedenen soziodemografischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen.

Die Klimaangst wurde mithilfe eines bereits wissenschaftlich validierten Fragebogens erfasst. Zusätzlich wurden soziodemographische Merkmale als Kontrollvariablen erfragt (Alter, Geschlecht, höchster Bildungsabschluss, Einkommen) sowie die Wahlabsicht (Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?). Anschließend habe ich untersucht, ob Personen mit unterschiedlichem Ausmaß an Klimaangst auch unterschiedliche politische Präferenzen aufweisen.
Um die Ergebnisse möglichst belastbar zu machen, habe ich statistische Kontrollen durchgeführt, die zusätzlich berücksichtigen, dass Alter, Bildung oder Einkommen ebenfalls Einfluss auf politische Einstellungen haben können.

Was die Ergebnisse zeigen:

Die Ergebnisse waren bemerkenswert deutlich. Menschen mit höherer Klimaangst hatten eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, Parteien aus dem linken politischen Spektrum wählen zu wollen. Gleichzeitig war die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie angeben, eine Partei aus dem rechten politischen Lager unterstützen zu wollten.

Besonders interessant war dabei, dass dieser Zusammenhang auch dann bestehen blieb, wenn Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen statistisch kontrolliert wurden. Klimaangst scheint also einen eigenständigen Zusammenhang mit politischen Präferenzen zu haben.

Auch die durchschnittlichen Werte der Klimaangst unterschieden sich deutlich zwischen den politischen Lagern. Personen mit linker Wahlabsicht berichteten die höchsten Werte, Personen mit einer Wahlabsicht für Parteien der politischen Mitte lagen dazwischen und Personen mit rechter Wahlabsicht wiesen die niedrigsten Werte auf.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Menschen allein aufgrund ihrer Klimaangst eine bestimmte Partei wählen. Politische Entscheidungen sind komplex und werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Klimaangst ein weiterer Baustein sein könnte, der politische Orientierung prägt.

Klimaangst und Wahlsicherheit

Neben der Wahlrichtung interessierte mich eine zweite Frage: Sind Menschen mit stärkerer Klimaangst auch sicherer in ihrer Wahlentscheidung?

Auch hier zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang. Höhere Klimaangst ging mit einer größeren Wahrscheinlichkeit einher, sich bei der eigenen Wahlentscheidung sicher zu sein.

Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Menschen, für die Klimaschutz ein besonders wichtiges Thema darstellt, politische Parteien stärker danach bewerten, wie glaubwürdig und ambitioniert deren Klimapolitik wahrgenommen wird. Dadurch könnte die Wahlentscheidung klarer und stabiler ausfallen.

Was bedeuten diese Ergebnisse?

Die Ergebnisse meiner Arbeit legen nahe, dass Klimaangst ein wichtiger Bestandteil politischer Meinungsbildung ist. Für die politische Forschung eröffnet das spannende Perspektiven. Während wirtschaftliche Interessen, soziale Herkunft oder Bildung seit Jahrzehnten als Einflussfaktoren auf Wahlverhalten untersucht werden, rücken emotionale Reaktionen auf gesellschaftliche Krisen erst allmählich stärker in den Fokus. Gerade angesichts der zunehmenden Bedeutung des Klimawandels könnte das Verständnis solcher Zusammenhänge künftig noch wichtiger werden.

Ein Blick nach vorn

Meine Studie liefert erste Hinweise darauf, dass Klimaangst mit Wahlabsichten und Wahlsicherheit zusammenhängt. Gleichzeitig wirft sie neue Fragen auf:
Beeinflusst Klimaangst tatsächliches Wahlverhalten oder nur Wahlabsichten? Welche Rolle spielen andere Emotionen wie Hoffnung, Wut oder Resignation? Und verändern sich diese Zusammenhänge in einer anderen Stichprobe?

Klar ist: Die Klimakrise verändert nicht nur unsere Umwelt. Sie beeinflusst auch, wie Menschen über Politik denken, welche Themen sie als wichtig erachten und möglicherweise auch, wem sie ihre Stimme geben.

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